Unterwegs ohne Anhängerkupplung

Das klingt wie eine verrückte Idee: Wir fahren mit einem Wohnwagen durch die Kulturhauptstadt Ruhrgebiet, nehmen aber kein Auto mit, das den Camper zieht! Zwei Holländer machen das grad wirklich – Eva Steininger-Bludau hat die beiden besucht.

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Am Wochenende machten Tjerk Ridder und Peter Bijl Station in Castrop-Rauxel, standen plötzlich mit ihrem Campingwagen am Akazienweg. Sie waren auf dem Weg von Dortmund nach Duisburg.

Die beiden wollen auf diese ungewöhnliche Weise die Kulturhauptstadt RUHR.2010 entdecken – und vor allem ihre Menschen kennenlernen. “Trampen 2.0″ nennen sie das ganz modern. Und es steckt Symbolik drin, denn: “Man braucht andere um weiterzukommen”, erzählt Tjerk Ridder. Und wo könnte man die besser finden als im Ruhrgebiet, über das Herbert Grönemeyer in seiner neuen Revier-Hymne singt: “Hier das Leben, da der Mensch, dicht an dicht. Jeder kommt für jeden auf.”

100118_hollaender2_220Tjerk und Peter erleben diese Hilfsbereitschaft gerade jeden Tag. Am Sonntag hat Eva Steininger-Bludau sie am Akazienweg besucht. Die stellvertretende Bürgermeisterin war begeistert: “Die beiden luden mich ein in ihren Wohnwagen. Ich in das kleine „Ei“ rein. Passte im Querformat soeben durch die Tür. Tjerk bat mich auf der Bank Platz zu nehmen. Gab mir ein rotes DIN A4-Blatt und bat mich, einen Wunschtraum niederzuschreiben und in welchen Schritten ich gedenke diesen zu verwirklichen. Das Blatt kam in eine Konservendose, die er vor meinen Augen verschloss. Er schenkte mir noch eine Abdeckung für eine Anhängerkupplung und eine Spieluhr mit einer Melodie eines Utrechter Liedes. Nahm seine Gitarre und sang eine Liebeserklärung auf seine Stadt. Vorher setzte er noch seine gigantische Pelzmütze auf.”

Solche Begegnungen haben die beiden Holländer derzeit täglich: Menschen lesen über sie in der Zeitung, sehen sie im Fernsehen – und kommen extra vorbei, um sie ein Stück mitzunehmen. Das ist viel Stoff, den Tjerk Ridder in neuen Songs verarbeiten kann – der junge Mann aus Utrecht ist Musiker und Liedermacher.

100118_hollaender3_220Für Eva Steininger-Bludau ein nachhaltiges Erlebnis: “Ich war mehr als perplex, mir fehlten die Worte. Und das heißt was bei mir!”

Nach der “Tour de Ruhr” stehen übrigens die anderen beiden Kulturhauptstädte dieses Jahres auf dem Reiseplan: Pécs und Instanbul. Natürlich wieder mittels “Trampen 2.0″.

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