Deutschland macht ungerechte Bildungspolitik

Was die Chancengerechtigkeit im Bildungswesen angeht, ist Deutschland auf dem Stand von Rumänien. Das belegen aktuelle Bildungsstudien.

Das ZDF-Magazin “Frontal21″ – nicht gerade als linkes Kampfmagazin verschrien – rechnete am 20. April 2010 in einem Beitrag mit der verknöcherten Bildungspolitik konservativer Landesregierungen deutlich ab.

Dabei wird eines besonders deutlich: Längeres gemeinsames Lernen, wie es die SPD nach der Landtagswahl in NRW einführen will, ist das Mittel der Wahl für ein erfolgreiches Bildungssystem. Der angebliche “Kampf ums Gymnasium”, den die konservativen Parteien gebetsmühlenartig und ideologieverblendet führen, ist schier lächerlich. Ja, er behindert das deutsche Bildungssystem.

Hier gibt es den Beitrag zum Nachlesen.

"Weg mit den Studiengebühren!"

Bildung ist das Zukunftsthema unseres Landes. Die Landesregierung rühmt sich zwar, viele neue Lehrerstellen geschaffen zu haben. Aber Stellen geben keinen Unterricht! Und wenn 5000 Stellen unbesetzt sind, fallen für die betroffenen Schüler eben weiter Stunden aus. Wir sprachen mit SPD-Kandidatin Eva Steininger-Bludau über die Ideen der SPD für eine bessere Bildungspolitik in NRW.

100325_tafelbild_445Frage: Bildung ist Ländersache. Wie sieht hier die Regierungsbilanz von Schwarz-Gelb aus?

Eva: In einem Wort? Verheerend! Schwarz-Gelb hat die soziale Auslese verschärft, die Zugänge zu Bildung enger statt weiter gemacht. Der Leistungsdruck steigt. Und das schon bei den ganz Kleinen.

Geht’s konkreter?

Na klar: Höhere Kita-Gebühren, schlechtere Qualität durch das KiBiz, weniger Betreuung, Abschaffung der Grundschulbezirke. Sortieren von jungen Menschen nach Schubladen durch das verbissene Festhalten am gegliederten Schulsystem. Abschottung der Gymnasien. Schlecht gemachte Schulzeitverkürzung. Einführung von Studiengebühren. So sieht die katastophale Bildungspolitik von Herrn Rüttgers und Frau Sommer aus.

Kritisieren ist einfach. Wie wollen es die Sozialdemokraten denn besser machen?

Ganz einfach: Wir wollen beste Bildung für alle! Dafür haben wir drei zentrale Ziele: 1. Bildung muss beitrags- und gebührenfrei sein. Also: Weg mit den Studiengebühren! 2. Kinder sollen länger gemeinsam lernen, so werden Benachteiligungen besser abgebaut. Das heißt: Das jetzige Schulsystem hat sich überlebt. Die Gemeinschaftsschule muss her. 3. Alle Schulen sollen Ganztagsschulen werden. Hier in Castrop-Rauxel haben wir im Grundschulbereich ja eine eindrucksvolle Bilanz: Bis auf eine Grundschule sind alle Offene Ganztagsschulen. Da kann das Land noch viel von uns lernen. Continue reading

Gemeinsam länger lernen: Gute Bildung für alle!

100325_grossflaeche01_445

Schüler sollen länger gemeinsam lernen. Bildung soll kostenfrei sein. Jeder soll die Chance auf gute Bildung haben. Das sind die Grundsätze der SPD-Bildungspolitik für NRW. Und das ist auch gut so.

Selbst sonst skeptische und kritische Journalisten kommen zu dem Fazit, das SPD-Konzept sei “abseits der Ideologie eine ziemlich realistische Schulperspektive”. Und weiter: Was die SPD in der Bildung wolle habe “Hand und Fuß”.

Das Konzept im Detail

Das SPD-Modell sieht gemeinsames Lernen aller Kinder für die ersten sechs Jahre vor. Danach gehen die Schülerinnen und Schüler in leistungsgerechte Lerngruppen, z.B. Haupt-, Real- und Gymnasialklassen. Alle unter einem Dach! So sind Wechsel nach oben oder unten leicht möglich. Außerdem lernen sie soziales Verhalten in sehr gemischten Gruppen und nicht nur unter „ihresgleichen“. Im derzeitigen Schulsystem wird dagegen die soziale Spaltung der Gesellschaft zementiert. Continue reading

Schulduell der besonderen Art

100325_ebg02_300

Die Schülerinnen und Schüler in der vollbesetzten Aula des EBG waren gespannt, was die Landtagskandidaten zu bieten hatten.

Es ging um die besseren Argumente in der Schul- und Bildungspolitik an diesem Vormittag im Ernst-Barlach-Gymnasium. Denn inzwischen zeigt sich: Bildung ist DAS zentrale Thema in diesem Wahlkampf. Weil gute Bildung der Schlüssel zum Erfolg ist im weiteren Leben.

Auf dem Podium neben Eva Steininger-Bludau dabei: Die Kandidaten von CDU und FDP, ein grüner Kommunalpolitiker, der den Kandidaten vertreten musste, und die Linke-Spitzenkandidatin für NRW, weil die Wahlkreiskandidatin der Linken lieber in der ersten Reihe Platz nahm und zuhörte.

Eva Steininger-Bludau stellte hier noch einmal fest, dass sie das Festhalten am dreigliedrigen Schulsystem für falsch hält. Denn es führt zu einer sozialen Auslese. Für sie das richtige Modell: eine Gemeinschaftsschule, in der für alle Kinder der Klassen 5 und 6 gemeinsamer Unterricht erteilt wird. Eltern, Schule und Schulträger entscheiden dann ab Klasse 7, ob weiterhin integrierter oder differenzierter Unterricht stattfinden wird.

Dies bedeutet nicht die Schließung des bestehenden Gymnasiums, so Steininger-Bludau: “Ich gebe Ihnen Brief und Siegel: Dieses Gymnasium wird in nächster Zukunft nicht geschlossen.”

100325_ebg01_300

Neben der Abschaffung der Studiengebühren (“Das ist das Erste, was meine Partei nach dem Wahlsieg in Angriff nehmen wird.”), stand der Zustand der heimischen Turnhalle auf dem Prüfstand.

Auf die Annahme ihres CDU-Gegenkandidaten, dies sei allein städtische Aufgabe und durch einen pauschalisierten Zuschuss zu bewerkstelligen, antwortete Steininger-Bludau: “Ein Großteil dieser Pauschale ist bereits für den damals von der CDU befürworteten Bau der zweiten Realschule aufgebraucht worden. Nun sind im städtischen Investitionsplan für das Jahr 2011 noch 1,1 Millionen Euro angesetzt für den Bau einer neuen Turnhalle. Die kann dann aber ehrlicherweise nur einfach werden.”

Für den Unmut der Schüler hatte Eva Steininger-Bludau vollstes Verständnis, aber: “Mehr Geld ist nicht da. Ehrlicherweise kann ich euch auch nicht mehr versprechen. Das ihr euch beschissen fühlt, kann ich nachvollziehen.“

Wissenschaftler: Wir brauchen eine neue Schulpolitik!

Deutliche Worte eines angesehenen Wissenschaftlers: Die Hauptschule sei als Schulform kaputt, der Realschule werde es schon bald genau so gehen. Gefordert ist nun die Politik, das Schulsystem grundlegend zu reformieren.

Der das sagt, ist Dr. Ernst Rösner vom Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforscher an der TU. Die deutlichen Worte fielen in der Lokalzeit im WDR Fernsehen am 19. Februar 2010. Denn immer mehr Hauptschulen in NRW stellen fest: Nurmehr eine Handvoll Eltern melden ihre Kinder hier an. Die Schulform überlebt nur, weil Real- und Gesamtschulen Kinder ablehnen und zur Hauptschule schicken müssen. “Die Schulform verfällt. Es wird in fünf Jahren vermutlich keine Hauptschule mehr geben”, so Rösners Prognose. Und weiter: “Die Landesregierung ignoriert dieses Problem, sie versucht sich möglicherweise über den Mai zu retten.” Continue reading